Gründe für eine Beratung …

… gibt es viele, und sie sind individuell sehr unterschiedlich.
Häufige Gründe können sein:

Lustlosigkeit oder sehr unterschiedliches Lustempfinden der Partner

Lustlosigkeit ist definiert als:

  • ein zeitweises oder immer wiederkehrendes ausbleibendes Verlangen nach sexueller Aktivität
  • über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten
  • verbunden mit einem Leidensdruck der betroffenen Person

Ursachen für Lustlosigkeit können sein:

  • Anspannung, Stress, Depression, Schlafmangel
  • Erkrankungen wie z.B Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, Krebserkrankungen, Schilddrüsenfunktionsstörung, u.v.m.
  • Medikamente (Antidepressiva, Antihypertensiva, Neuroleptika etc),
  • Hormonschwankungen
  • Drogen, Alkohol
  • Partnerschaftskonflikte
  • Scham, Angst, Probleme mit dem eigenen Körperbild, Lebensveränderungen (z.B Kinder)
  • sexuelle Funktionsstörungen des Partners
  • unzureichende Stimulation, wenig erotisches Repertoire, mangelnde Intimität

Lustlosigkeit ist eins der häufigsten Probleme in einer Sexualtherapie. Manchmal sind Paare dann in der Situation, dass sie zwar eine liebevolle, respektvolle Beziehung leben, in der sie schon gemeinsam viele Höhen und Tiefen gemeistert haben, aber sexuell diese Beziehung wie eine bessere WG empfinden. Die Sexualität ist irgendwie schleichend eingeschlafen und die Partner finden einfach keinen Zugang mehr dazu. Meist hat sich hier ein stabiles Vermeidungsmuster gebildet. Ein solches Paar ist sexuell in einer sogenannten „Komfortzone“. Rücksichtsvoll, liebevoll und harmonisch, aber vielleicht doch auch ein bisschen langweilig.

Bei Paaren mit sehr unterschiedlichem Lustempfinden findet sich immer ein fordernder und ein zurückweisender Partner. Beide bedingen mit ihrem Verhalten die Reaktion des anderen, je mehr der eine fordert, desto mehr weist der andere zurück und umgekehrt. In dieser Konstellation finden sich häufig Schuldzuweisungen, der Andere sei Schuld am Problem. Der zurückweisende Partner fühlt sich bedrängt, weist immer mehr zurück und verschließt sich oft vollständig. Dies äußert sich manchmal in zahlreichen Vermeidungsstrategien, um jede Annäherung, um jedes sexuelle Angebot, um jede mögliche Situation, die eine sexuelle Begegnung bedeuten könnte, zu umgehen.

Der fordernde Partner fühlt sich andererseits durch die Zurückweisung gekränkt, hilflos und bleibt mit seinem unerwiderten sexuellen Begehren allein. Weitere sexuelle Annäherungen und Versuche folgen und werden mit einer immer stärker werden Kränkung erlebt. Zurück bleibt oft Traurigkeit, Ratlosigkeit und Scham, meist auch Frust und Wut.

Orgasmusstörungen

Orgasmusstörungen werden unterteilt in

  • vorzeitigen Orgasmus (Ejaculatio päcox)
  • verzögerten Orgasmus
  • ausbleibenden Orgasmus

Bei Männern ist der vorzeitige Orgasmus bzw vorzeitige Samenerguß (Ejaculatio präcox) die häufigste Sexualstörung. Bei Frauen ist dies eher selten. Die Betroffenen (unabhängig ob Mann oder Frau) erreichen ihren sexuellen Höhepunkt wiederholt schon vor oder unmittelbar nach Beginn der genitalen Stimulation, ohne dies kontrollieren zu können.

Zu unterscheiden ist dabei das subjektive Empfinden „zu früh zu kommen“, bei der sich die Wunschvorstellungen des Betroffenen nicht mit der erreichten Zeitspanne bis zur Ejakulation decken, die Ejakulation aber kontrolliert werden kann.

Die Ejaculatio präcox (EP) kann auftreten als Primäre, lebenslang bestehende Ejaculatio präcox (bei fast jedem Geschlechtsverkehr, fast jeder Partner/in) oder erworbene EP (nach einer Phase mit normaler Sexualfunktion)

Mögliche Ursachen einer EP können sein:

  • unbewusste, negative Einstellung gegenüber Sex (Erziehung)
  • Stress, Versagensängste (nach längerer Phase sexueller Abstinenz, veränderte Lebensumstände, neue Beziehung, Familienzuwachs)
  • mangelnder Raum für Intimität und Zweisamkeit
  • negative Konditionierung (Sex unter Stressbedingungen, Angst vor dem Entdecktwerden, heimlicher Sex)
  • sexuelle Traumatisierung in der Kindheit (Missbrauch)
  • Erkrankungen wie Prostatitis, Parkinson, Erektionsstörung (Erektile Dysfunktion), Schilddrüsenfunktionsstörung,
  • Medikamente, Drogen

Der verspätete oder ausbleibende Orgasmus

Die betroffene Person erlebt dann Lust auf Sexualität und Erregung. Bei weiterer Erregungssteigerung durch Stimulation reicht die Erregung jedoch nicht aus, um die individuell unterschiedliche Orgasmusschwelle zu überwinden.

Bei Männern ist diese Problematik oft verbunden mit einer Erektionsstörung (Erektile Dysfunktion), kann allerdings auch mit ungestörter Erektion auftreten.

Ursachen hierfür können sein:

  • Scham (strenge, religiöse, sexualfeindliche Erziehung)
  • Ängste (z.B vor Kontrollverlust, bei Männern auch: davor die Frau zu verletzen etc)
  • Erkrankungen wie z.B Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Multiple Sklerose, Prostatitis, Krebserkrankungen (Blase, Darm etc), Erektionsstörung (erektile Dysfunktion ),
  • Operationen im Bauchraum, des kleinen Beckens oder Wirbelsäule
  • bei Männern: reduzierte Eichelsensibilität (Beschneidung)
  • altersbedingte Veränderung
  • Medikamente (Antidepressiva, Neuroleptika, Antipsychotika, Sedativa, Antihypertensiva)
  • Stress, Erschöpfung
  • Drogen, Alkohol,
  • Hormonstörungen (z.B. Testosteronmangel, Schilddrüse)
  • körperliche oder psychische „Abstumpfung“ im Rahmen von Sexsucht

Veränderung der Sexualität in unterschiedlichen Lebensphasen

Wie alle Lebensbereiche verändert sich auch die Sexualität im Laufe unseres Lebens. Die Veränderungen der Sexualität können begründet sein z. B. durch:

Familienzuwachs /Geburten
Kaum jemand, der Mutter oder Vater geworden ist, hat die Erfahrung nicht gemacht, dass sich durch neuen Familienzuwachs plötzlich schlagartig fast alles ändert. Das Kind schläft mit im Bett oder mit im Zimmer, die Nächte sind kurz und kraftraubend, kurzum ein Libidokiller. Nichts ist mehr planbar, vor allem keine Zweisamkeit mehr, Zeit für sich oder für die Partnerschaft ist rar. Über kurz oder lang ziehen viele Väter aus dem elterlichen Schlafzimmer auf die Couch, und manchmal auch nie wieder zurück. So bereichernd Kinder trotz aller Strapazen für die meisten Eltern sind, so empfinden doch viele die Veränderungen bezüglich Zweisamkeit und Sexualität als erheblichen Einschnitt.

Stress/Burnout
Wer immer unter Stress und Druck ist, immer am Limit mit seinen Ressourcen ist, empfindet keine Lust. Stress ist genauso wie Angst oder Schmerzen ein direkter Gegenspieler der Lust. Was Stress ist oder wann Menschen beginnen unter Stress zu leiden, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche sind so sehr in Not, dass sie physisch und psychisch zusammenbrechen – im Burnout.

Höheres Alter/Wechseljahre
Das Älterwerden bringt viele Veränderungen mit sich. Zunächst einmal verändert sich unser Körper erheblich im Laufe unseres Lebens. Die Haut ist nicht mehr straff und glatt, sondern faltig am ganzen Körper. Wir sind nicht mehr so beweglich, haben keine jugendliche Figur mehr, und möglicherweise haben schwere Krankheiten Spuren hinterlassen.

Die Wechseljahre stellen für viele Frauen zusätzlich eine plötzliche Veränderung dar. Die Hormonumstellung erleben manche Frauen als unproblematisch, andere leiden erheblich unter Veränderungen wie Schlafstörungen, Depressionen, Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen und trockener Scheide. Zwar ist die Orgasmusfähigkeit durch die Hormonschwankungen (bzw. der Hormonentzug) nicht beeinträchtigt, die Erregung und Libido dagegen sehr wohl. Dies empfinden viele Frauen als Verlust oder problematisch in der Partnerschaft.

Auch Männer sind im Laufe ihres Lebens altersbedingt mit Beeinträchtigungen ihrer Sexualität konfrontiert. An erster Stelle ist hier die Erektionsstörung zu nennen, über die immer noch viel zu wenig gesprochen wird. Etwa die Hälfte der 60-jährigen und zwei Drittel der 70-jährigen Männer leidet unter Erektionsstörungen.

Sexuelle Langeweile

Langeweile kann sich in allen Lebensbereichen breit machen. Wir können es nicht nur als langweilig empfinden, immer an den gleichen Urlaubsort zur fahren, immer das gleiche Essen zu essen, immer die gleiche Hose anzuziehen, sondern können es auch als langweilig empfinden, immer den gleichen Sex zu haben.

In vielen Lebensbereichen fällt es Menschen nicht schwer, gegen Langeweile anzukämpfen: man nimmt es wahr, spricht es an, und probiert etwas anderes aus. Abwechslung ist selbstverständlich, macht Spaß und inspiriert.

Auch beim Sex kann sich Langeweile ausbreiten. Durch Eintönigkeit, Vorhersagbarkeit und mangelnde Abwechslung entsteht Langeweile und das Gefühl, eine öde Routine zu verrichten. Sex kann sich dann anfühlen wie ein Pflichtprogramm, man weiss wie es geht, wie lange es dauert, was wann passiert und wie es sich anfühlt. Es tut nicht weh, schadet nicht, kann man machen – aber kann man auch lassen.

Aus der sexuellen Langeweile herauszukommen funktioniert grundsätzlich nicht anders als in anderen Lebensbereichen: wahrnehmen, ansprechen und ausprobieren. Ein zentraler Aspekt ist das Ansprechen bzw der Austausch. Es steht uns leider (oder zum Glück) nicht auf der Stirn geschrieben, was wir denken, fühlen oder wünschen. Man kann interpretieren, raten, hoffen, daran verzweifeln, aber man kann nicht wissen was im Gegenüber vorgeht. Im Gespräch bzw .Austausch ist zunächst mal unerheblich, welche „Sprache“ man dabei wählt, sondern wichtig ist der Austausch als solches. Ein Austausch muss nicht mit ausufernden Erklärungen stattfinden, sondern kann auch mit liebevollen Gesten, Hinweisen, kleinen Überraschungen oder humorvollen Bemerkungen mit wenig Worten auskommen.

Bei der sexuellen Kommunikation begleitet uns – im Gegensatz zu anderen Bereichen – oft ein unangenehmer und ungebetener Gast: die Angst vor Ablehnung. Genau diese Angst macht es manchmal unmöglich die Bedürfnisse zu kommunizieren. Wie sage ich was? Wann ist der richtige Moment? Was denkt mein/e Partner/in dann über mich? Was ist wenn ich mich lächerlich mache? Was ist wenn er/sie etwas ganz anderes will? Diese und viele andere Fragen kommen einem da in den Kopf. Was man nie kommuniziert hat, fällt anfangs sehr schwer, in Worte zu fassen. Sexuelle Kommunikation ist für viele Menschen sehr schambehaftet und schlichtweg tabu und am Ende herrscht daher oft Schweigen … und Langeweile.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Viele Frauen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und sollten vor jeglicher Therapie sorgfältig eruiert werden. Fehldiagnosen sind leider nach wie vor häufig, verbunden mit einem langen Leidensweg der betroffenen Frauen.

Ursachen für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können z.B. sein:

  • Vaginismus
  • Narben/Verwachsungen im Bauchraum (z. B. durch Operation oder nach Bestrahlungen) oder Dammbereich (Dammverletzungen bei Geburten)
  • Infektionen
  • mangelnde Scheidenfeuchtigkeit
  • Endometriose
  • Stellung beim Geschlechtsverkehr
  • psychische Ursachen (Angst, vorausgegangene Gewalt- oder Mißbrauchserfahrungen)
  • Vulvodynie
  • Vaginismus: Unter Vaginismus (oder auch Scheidenkrampf) versteht man eine schmerzlose, unwillkürliche Verkrampfung oder Verspannung des Beckenbodens und des äußeren Drittels der Vaginalmuskulatur der Frau, wodurch der Scheideneingang eng oder wie verschlossen erscheint. Vaginalverkehr, eine gynäkologische Untersuchung, das Einführen eines Tampons oder des eigenen Fingers können dadurch sehr schmerzhaft oder unmöglich sein. Die sexuelle Reaktion (Lust, Erregung, Orgasmusfähigkeit) ist üblicherweise nicht gestört, sodass die betroffenen Frauen außer der vaginalen Penetration ein befriedigendes Sexualleben empfinden können.

Ein Vaginismus kann primär (seit dem ersten Sexualkontakt) oder sekundär (nach einer Phase mit schmerzfreier Penetration) auftreten.

Wichtig bei der Diagnose des Vaginismus ist vor allem der Ausschluß von anderen organischen Ursachen. Die Diagnosestellung erfordert ein besonderes Feingefühl und Geduld, denn vaginistische Patientinnen machen oft einen weiten Bogen um jede Form von gynäkologischer Untersuchung und haben große Angst vor Berührung, Penetration und Schmerzen. Jede rücksichtlose Untersuchung oder Herangehensweise verschlimmert die Situation und verschreckt die betroffene Person.

Die Ursache des Vaginismus ist eine Angststörung. Diese kann individuell sehr unterschiedlich begründet sein und lässt sich nur selten auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen. Ein sexuelles Trauma (z.B. Mißbrauch) trifft nur auf ca 5% der vaginistischen Patientinnen zu. Unterschwellig können Unwissenheit und falsche Vorstellung (z.B. über Anatomie, Größe, Elastitizität der Scheide/des Penis), Ängste und Mythen eine Rolle spielen.

Die Therapie des Vaginismus besteht aus einer Verhaltenstherapie, bei der die betroffene Frau unter anderem die Berührung des eigenen Genitale in kleinen Schritten (neu) lernt und übt. Zur Anwendung kommen außerdem dabei sog. Vaginaltrainer in aufsteigenden Größen, die die Patientin selbst einführt sowie -bei bestehender Partnerschaft -Körperübungen zu zweit.

  • Narben/Verwachsungen im Bauchraum (z.B. durch Operation oder nach Bestrahlungen) oder Dammbereich (Dammverletzungen bei Geburten)

Jede Operation im Bauchraum oder Dammbereich kann eine schmerzhafte Narbenbildung oder Verwachsungen nach sich ziehen. Dabei ist zunächst unerheblich, wie viele Operationen durchgeführt wurden oder wie umfangreich diese waren. Auch kleine Operationen wie eine Bauchspiegelung (z.B. bei Zystenentfernung, BlinddarmOP etc) können im Bauchraum Verwachsungen nach sich ziehen. Verwachsungen sind Verklebungen von Organen im Bauchraum (Darmschlingen, Eileiter, Eierstöcke, Blase, Gebärmutter) miteinander oder auch mit der Bauchdecke. Verwachsungen im Bauchraum als Ursache für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind immer nur eine Ausschlußdiagnose (also ohne Anhalt für andere Ursachen) und eine Verdachtsdiagnose, denn Verwachsungen sind mit bildgebenden Maßnahmen (Ultraschall/CT/MRT) nicht sichtbar zu machen, sondern können ausschließlich im Rahmen einer erneuten Operation sicher diagnostiziert werden. Da dadurch wiederum die Gefahr erneuter Verwachsungen besteht, ist die Indikation für eine operative Entfernung von Verwachsungen sehr zurückhaltend zu stellen und sorgfältig mit der betroffenen Person zu besprechen.

Auch nach Dammverletzungen bei Geburten (Dammschnitt/-riss) als Ursache für einen schmerzhaften Geschlechtsverkehr ist aus o.g. Gründen eine sorgfältige Untersuchung und ein strenge Indikationsstellung für eine operative Korrektur geboten.

  • Mangelnde Scheidenfeuchtigkeit

Die Scheidenfeuchtigkeit besteht aus Sekret, das von der Scheide bwz dem Gebärmutterhals abgesondert wird. Die Menge ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich.Eine ausreichende Scheidenfeuchtigkeit ist unerlässlich für einen schmerzfreien Geschlechtsverkehr.

Scheidentrockenheit kann z.B folgende Ursachen haben:

Wechseljahre: Eine trockene Scheide ist eins der häufigsten Probleme in den Wechseljahren, bedingt durch den Östrogenmangel. Durch den Östrogenmangel werden unter anderem Scheide und Schamlippen weniger gut durchblutet und die Schleimhaut/Haut wird dünner. Dadurch erhöht sich die Verletzlichkeit der Haut, es können leichter Risse entstehen und Infektionen auftreten. Durch die fehlende Feuchtigkeit und damit verbundene Reibung wird der Geschlechtsverkehr schmerzhaft.

Medikamente (z.B. Tamoxifen, gestagenbetonte Pille, Neuroleptika)

Operationen: Die Entfernung der Eierstöcke wirkt durch den Östrogenmangel wie die Wechseljahre. Bei der Entfernung der Gebärmutter entfällt die Produktion der Scheidensekrets durch den Gebärmutterhals, ein Östrogenmangel besteht hierbei nicht, sodaß die Scheidenfeuchtigkeit meist deutlich weniger zum Tragen kommt.

Erkrankungen, die die Durchblutung der Scheide reduzieren, wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, bestimmte Autoimmunerkrankungen (Sjögren-Syndrom)

Chemotherapie und Bestrahlung

Lebensstil (Rauchen reduziert maßgeblich die Durchblutung)

übertriebene Intimhygiene: Die Scheidenflora ist natürlicherweise in einem Gleichgewicht und braucht keinerlei spezielle Reinigung. Regelmäßige Scheidenspülungen oder die Verwendung von agressiven Seifen und mehrfache Intimreinigungen täglich sollten auf alle Fälle vermieden werden. Die breite Palette von Intimhygienika (Intimlotionen, -seifen, Slipeinlagen) vermitteln heutzutage den Eindruck, der natürliche Ausfluß aus der Scheide sei infektiös, krankhaft, eklig und am Besten konsequent zu bekämpfen. Die einzigen Profiteure dieses Bewusstseins sind die Hersteller dieser Produkte, die Leidtragenden sind die Frauen. Wasser und milde Waschlotion sind für die Reinigung des äußeren Genitale vollkommen ausreichend.

psychische Ursachen: Lust und Erregung spielen sich zu einem wesentlichen Teil im Kopf ab. Ängste und Stress sind ein direkter Gegenspieler von Lust und Erregung und haben damit einen direkten Einfluß auf Scheidentrockenheit. Außerdem sollte immer auch hinterfragt werden, ob die betroffene Frau sich in ihrer Sexualität angesprochen fühlt, ob auf ein ausreichendes Vorspiel geachtet wird und ob ihre sexuellen Bedürfnisse befriedigt werden.

Zur Behandlung der Scheidentrockenheit stehen inzwischen verschiedene gut wirksame Präparate zur Verfügung, je nach Ausprägung und Ursache. Zur Anwendung kommen hormonfreie Gels, Zäpfchen, Öle, oder hormonhaltige Zäpfchen bzw. Salben. Welches Präparat dabei am hilfreichsten ist, ist indiviuell zu klären und kann auch im Laufe der Zeit variieren.

  • Endometriose

Bei Endometriose handelt es sich um eine chronisch verlaufende Erkrankung, bei der sich kleine Partikel von intakter Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter im kleinen Becken (an den Eileitern, Eierstöcken, Darm, Blase und Gebärmutterwand) finden. Die versprengte intakte Gebärmutterschleimhaut reagiert entsprechend des Monatszyklus, baut sich auf und blutet ab. Das Blut kann jedoch nicht abfließen und verursacht Schmerzen. Leitsymptom der Endometriose ist der chronische Unterbauchschmerz, oft verbunden mit einer sehr schmerzhaften Regelblutung und dem schmerzhaften Geschlechtsverkehr.

Die Ursachen der Endometriose sind bisher unklar, schulmedizinische Behandlungsoptionen sind oft unbefriedigend. Sie beeinhalten zum einen die chirurgische Sanierung der im Bauch befindlichen Herde, zum anderen die hormonelle Therapie und die Schmerztherapie. Komplementäre Behandlungsformen (TCM, Akupunktur etc) können insbesondere die dauerhafte Schmerztherapie positiv beeinflussen.

  • Vulvodynie

Vulvodynie ist die Bezeichnung für Schmerzen im Bereich des äußeren Genitale einer Frau ohne andere erkennbare Ursachen. Dabei ist typischerweise ausschließlich ein sehr kleines Areal im Bereich des Scheideneingangs betroffen, jede Berührung (auch die leichteste Berührung mit dem Finger, manchmal schon durch die Wäsche) ist hochschmerzhaft. Geschlechtsverkehr ist dann nicht möglich, genauso wenig das Einführen eines Tampons.

Die Vulvodynie unterscheidet sich grundlegend von der Symptomatik des Vaginismus, denn es liegt keine Angststörung vor. Eine gynäkologische Untersuchung ist –abgesehen vom lokal umschriebenen Berührungsschmerz- angstfrei möglich, die Patientinnen suchen mit hohem Leidensdruck häufig die gynäkologische Sprechstunde auf. Vaginistische Patientinnen vermeiden im Gegensatz dazu meist konsequent die gynäkologische Untersuchung und haben große Angst.

Die Diagnose einer Vulvodynie ist eine Ausschlußdiagnose, also andere Ursachen wie Infektionen, Allergien oder OP-bedingte Schmerzen kommen nicht in Betracht. Die Ursache der Vulvodynie ist unbekannt. Die Therapie ist langwierig, sie besteht zum einen in der Behandlung der Schmerzen, außerdem kann ein Versuch mit Antidepressiva erfolgversprechend sein. Eine operative Therapie (Entfernung des schmerzhaften Areals) wird eher selten durchgeführt.

Scham über die Kommunikation der sexuellen Bedürfnisse, Erotik und Fantasien

Der Kommunikation über sexuelle Bedürfnisse und Fantasien kommt in einer Partnerschaft eine besondere Bedeutung zu, ist sie doch für die meisten Menschen sehr schambehaftet. Oft haben Paare gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt, haben sich über Jahre oder Jahrzehnte in unterschiedlichsten Lebenslagen gesehen und aufrichtig begleitet, kennen sich in- und auswendig und haben sich trotzdem noch nie über ihre sexuellen Vorlieben und Fantasien ausgetauscht. Über die Sexualität, Erotik und Fantasien der besten Freundin oder des besten Freundes wissen viele oft bestens Bescheid, über die des eigenen Partners oder der Partnerin dagegen gar nichts.

Die sexuelle Kommunikation über Vorlieben und Fantasien ist im Erleben von Sexualität sehr wichtig. Es steht uns nicht auf der Stirn geschrieben, was wir wann wie gerne hätten. Wir können interpretieren, raten, hoffen, dran verzweifeln, aber man kann nicht wissen, was im Gegenüber vorgeht. Im Gespräch bzw. Austausch ist zunächst mal unerheblich, welche „Sprache“ man dabei wählt, sondern wichtig ist der Austausch als solcher. Ein Austausch muss nicht mit ausufernden Erklärungen stattfinden, sondern kann auch mit liebevollen Gesten, Hinweisen, kleinen Überraschungen oder humorvollen Bemerkungen mit wenig Worten auskommen.

Bei der sexuellen Kommunikation begleitet uns – im Gegensatz zu anderen Bereichen – oft ein unangenehmer und ungebetener Gast: die Angst vor Ablehnung. Genau diese Angst macht es manchmal unmöglich die Bedürfnisse zu kommunizieren. Wie sage ich was? Wann ist der richtige Moment? Was denkt mein Partner oder meine Partnerin dann über mich? Was ist, wenn ich mich lächerlich mache? Was ist wenn er oder sie etwas ganz anderes will? Welche Worte wähle ich überhaupt? Diese und viele andere Fragen kommen einem da in den Kopf. Was man nie kommuniziert hat, fällt anfangs sehr schwer, in Worte zu fassen. Sexuelle Kommunikation ist für viele Menschen sehr schambehaftet und schlichtweg tabu und es herrscht daher oft Schweigen.

Das Schweigen zu brechen und langsam aber sicher den Mut aufzubringen sich über die eigenen Bedürfnisse mitzuteilen, ist etwas sehr Befreiendes und wirkt sich nachhaltig positiv auf unsere Sexualität aus.

Unsicherheit bezüglich der eigenen als ungewöhnlich oder belastend empfundenen Neigungen

Manchmal ist Sexualität nicht erfüllend oder bereichernd, sondern wir empfinden das, was wir begehren, als ungewöhnlich oder belastend.

(Anmerkung: Früher bezeichnete man eine krankhafte oder abartig erlebte Sexualität als sogenannte Perversion. Dieser Begriff ist veraltet und wird nur noch umgangssprachlich verwendet. Heute wird der Fachbegriff Paraphilie für eine Gruppe psychischer Störungen verwendet, die eine Sexualität im Zusammenhang mit unbelebten Objekten, Schmerz, Demütigung, nicht einverständnisfähigen Personen (Kindern) oder Tieren beschreibt, verbunden mit einem erheblichen Leiden oder Beeinträchtigung der betroffenen Person und ihren Opfern. Dazu gehörten vor allem die Pädophilie, Exhibitionismus, Sadomasochismus, Zoophilie (Sex mit Tieren), Nekrophilie (Sex mit Leichen) uvm.
Definition, Krankheitswert und Behandlung von Paraphilien oder ungewöhnlichen Neigungen sind stark abhängig vom gesellschaftlichen und zeitlichen Kontext. Was hierzulande laut ICD-10 als normgerechtes sexuelles Verhalten zählt wie u. a. Homosexualität und Onanie, zählt in anderen Kulturkreisen als abartig und steht unter Strafe.)

Zu unterscheiden von den o. g. Paraphilien mit teilweise auch krimineller Bedeutung (z. B. Pädophilie) ist vor allem eine als ungewöhnlich oder sehr belastende Neigung ohne kriminelle Bedeutung und ohne psychische Störung. Die sexuelle Neigung kann moralisch belastend sein ohne gesellschaftlich problematisch zu sein.

Dies kann zum Beispiel die Neigung zur Homo-/Bisexualität, zum BDSM oder zu einem bestimmten Fetischismus sein. Obwohl diese sexuellen Vorlieben gesellschaftliche Akzeptanz genießen und z. B. Homosexualität kein Tabu mehr ist und keine rechtlichen Konsequenzen drohen, so kann die betroffene Person sehr wohl einen erheblichen Leidensdruck dabei empfinden.

Die Angst, sich mit seinen Vorlieben zu outen oder sogar erwischt zu werden, ist bei den Betroffenen groß. Manche leben ihre Neigung in ihren Fantasien aus, manche konsumieren die entsprechende Pornographie online und manche leben real immer wieder heimlich ihre Neigung aus.

Was die Betroffenen fürchten, ist vor allem die gesellschaftliche Ächtung und die Ablehnung innerhalb der Partnerschaft bzw. des Freundeskreises oder gar der Familie. Angst und Heimlichkeit haben vielleicht auch einen Rückzug in der Partnerschaft zur Folge. Was bleibt, ist oft das quälende Gefühl, mit dem Problem allein zu sein, sich nicht vollständig zeigen zu können und vorzugeben, ein Anderer oder eine Andere zu sein.

Sexualität als Single

Sexualität ist für Singles genauso ein wichtiges Thema wie für Menschen in einer festen Partnerschaft. In Zeiten des Onlinedatings genießen Singles die Freiheit der fast unbegrenzten Möglichkeiten. Sie können sexuell tun und lassen was sie wollen, mit wem und wann bestimmen sie selbst, ohne Verpflichtungen einer Langzeitbeziehung. Auf den ersten Blick ein Himmel auf Erden, für viele ist es auch die Hölle auf Erden. Denn das, was die meisten Menschen suchen und nicht finden, ist emotionale Nähe und eine liebevolle Begegnung.

Modelle, Sexualität mit oder ohne Beziehung zu leben, gibt es inzwischen einige. Der klassische One-Night-Stand, also ein Mal Sex und dann nie wieder gesehen, hat Konkurrenz bekommen. Singles gehen heute auch andere Beziehungen ein, die sowohl emotionale Nähe und Sex bieten. Es gibt nicht nur Singles, sondern auch „Mingels“ (Mixed Singles). Mit „Casual Sex“ (übersetzt: „Gelegenheitssex“) oder „Friends with Benefits“ (übersetzt: „Freunde mit gewissen Vorzügen“) sind sexuelle Beziehungen gemeint, die nicht verbindlich eingegangen werden, aber trotzdem über eine gewisse Zeit gepflegt werden. Der Unterschied ist, dass die Nähe, die man zu Freunden oder guten Bekannten empfindet, ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt, und damit der schale Nachgeschmack eines One-Night-Stands ausbleibt.

Was dabei außer Acht gelassen wird und ein gewisses Risiko birgt, ist die Unberechenbarkeit der Gefühle. Was sich zunächst lebendig und frei anhören oder anfühlen kann, denn verhofft man doch alles auf einen Streich zu bekommen (guten Sex, freundschaftliches Miteinander, Dauerhaftigkeit und Geborgenheit), kann sich schlagartig traurig und unfrei anfühlen. Das passiert, wenn das Gefühl von Verliebtheit sich breit macht, wenn der Wunsch nach einem „mehr davon“ Einzug erhält – und nicht gleichermaßen erwidert wird. Dann kann das ursprüngliche Gefühl von Wahlfreiheit und Fülle in ein Gefühl des Mangels und der Einsamkeit umschlagen.

Welche Beziehungsform und welcher Sex einem gut tut, lässt sich meist nicht durch rationales Überlegen oder gute Vorsätze planen, sondern ist eine Lernkurve mit Höhen und Tiefen und eine echte Herausforderung.

Natürlich ist der Solosex, die Selbstbefriedigung, auch eine wichtige Möglichkeit für sexuelle Befriedigung. Wer etwas einfallsreich und experimentierfreudig ist, kann sich auch ohne fremde Hilfe Spaß bereiten. Das Bedürfnis nach Nähe, Bestätigung und Geborgenheit kommt dabei jedoch leider zu kurz, auch küssen kann man nun mal nicht alleine.

Für Männer ist Selbstbefriedigung meist selbstverständlich, von klein an sind sie im regen Kontakt mit sich. Bei Frauen ist Selbstbefriedigung nicht selbstverständlich, leider. Nicht wenige haben sich selbst im Erwachsenenalter noch nie genital berührt, betrachtet oder befriedigt. Viele Frauen kennen ihren Körper diesbezüglich kaum und haben noch nie einen Orgasmus erlebt.

Selbstbefriedigung hat aber nicht nur einen rein befriedigenden Aspekt, es ist viel mehr auch das Erkunden, Erforschen des eigenen Körpers. Wie fühlt sich mein Körper an? Wo bin ich empfindlich? Was gefällt mir? Wie sehe ich aus? Wie verändert sich mein Körper bei Erregung? Es ist ein Sich-Zeit-nehmen für sich, eine liebevolle Zuwendung zu sich selbst.

Ein anderer Aspekt, der die Sexualität von Singles, Mingels von einer festen Partnerschaft unterscheidet, ist der Sicherheitsaspekt. Für Singles gehört die Auseinandersetzung mit Safer Sex unweigerlich dazu, denn sie pflegen unverbindliche Kontakte, ohne Treueschwur und Sicherheitsnetz, hinter jedem Sexualkontakt können sich unzählige andere Kontakte und Infektionsquellen verbergen. Wie viel Safer Sex man/frau lebt, bleibt jedem/jeder selbst überlassen. Tatsache ist jedoch auch, dass es einen 100%igen Schutz vor Infektionen nicht gibt. Kondome schützen vor vielen Infektionen, wer jedoch ganz sicher sein will, sich mit nichts anzustecken, der muss vor allem eins tun: nicht küssen, nicht oder nur mit Handschuhen anfassen, kein Oralverkehr, kein Kontakt mit Sperma – oder vielleicht ganz zu Hause bleiben.

Übermäßiger Pornokonsum

Pornos sind heutzutage für alle Menschen mit wenigen Mausklicks in jeder Variation und Härte frei verfügbar. Teenager haben oft schon sehr früh Kontakt mit Pornographie, durch Smartphones und co. ist der Zugang für alle jederzeit möglich . In Makroaufnahmen findet man im Internet eine unerschöpfliche Bilderflut, bei der kein Verlangen ungestillt bleiben soll. Jede noch so entfernte Phantasie kann, soll oder muss bedient werden.

Vor allem für viele Männer ist regelmäßiger Pornokonsum etwas normales, manchmal alltägliches geworden. Sie konsumieren Pornos quasi nebenher, für zusätzliche Stimulation bei der Selbstbefriedigung oder einfach nur so, ohne darin etwas problematisches zu sehen, unabhängig von einer Partnerschaft.

Wieviel Porno „normal“ ist läßt sich nicht festlegen. Es gibt keine bestimmte Pornodosis, die einen Krankheitswert markiert. Die Grenze zur Sucht ist, wie bei jedem anderen Verhalten auch, individuell sehr unterschiedlich und die Übergänge sind fließend. Was für den einen viel ist, ist für den anderen wenig.

Manchmal ist Pornokonsum in der Partnerschaft ein großes Problem. Nämlich dann wenn z.B. die Partnerin der Meinung ist, ihr Partner würde „zu viel“ Pornos konsumieren. Auch dabei gilt: es gibt keine „normale“ Pornodosis.

Für Frauen ist es oft befremdlich, wenn ihre Partner täglich oder fast täglich Pornos schauen. Denn es nicht nur der Porno an sich (also die Endlosschleife von mechanischem Sex und inszeniertem Stöhnen) mit dem Frauen oft nichts anfangen können. Viele Frauen empfinden die gezeigten Praktiken als abstoßend und die Pornowelt entspricht meist nicht ihrer eigenen gelebten Sexualität innerhalb der Partnerschaft. Sie können sich dadurch unter Druck oder zurückgesetzt fühlen, quasi als nicht ausreichend bezüglich ihres sexuellen Repertoires, weil sie dem Partner nicht das bieten können was er konsumiert und ihn sexuell anspricht. Abgesehen davon können Frauen dann das Gefühl haben, der Partner sei ständig „abwesend“ und konsumiere Pornos als Ersatz zu partnerschaftlicher Beziehung und Sex.

Insgesamt kann übermäßiger Pornokonsum die Reizschwelle für sexuelle Erregbarkeit verändern, d.h. dass eine sehr hohe oder immer höher werdende Menge an visuellen Reizen (bez. der Menge und Härte der Pornos) zur Befriedigung notwendig wird. Dies kann zur Folge haben, dass die partnerschaftliche Sexualität als eintönig, wenig lustvoll und nicht mehr befriedigend erlebt wird.

Sexsucht

Für die einen Freud, für die anderen Leid und für nicht wenige ist Sex mehr geworden: zur Sucht. Sexsucht ist wie alle anderen Süchte gekennzeichnet von:
-Kontrollverlust
-Machtlosigkeit/Ohnmachtsgefühl
-Toleranzentwicklung
-Dosissteigerung
-Entzugssymptomen.

Die Sucht bestimmt nach und nach den Alltag, alles dreht sich nur noch um eins: den kurzfristigen Konsum, die schnelle Befriedigung, den Kick. Die Sucht wird zur Lebensmitte, das Sozialleben mit Freundschaften und Hobbys wird nach und nach vernachlässigt oder aufgegeben. Der Arbeitsplatz wird gefährdet, in dem die Betroffenen teilweise stundenlang dort Pornographie konsumieren, manchmal drohen eine Abmahnung oder sogar die Kündigung. Die eigene Gesundheit wird durch exzessives sexuelles Verhalten (ungeschützte, unzählige und wahllose Sexualkontakte) aufs Spiel gesetzt.

Sexsüchtige beschäftigen sich wie Esssüchtige, Heroinsüchtige, Alkoholsüchtige, Kaufsüchtige uvm. den ganzen Tag mit der Beschaffung und dem Konsum ihrer Droge – und sind doch nie satt und zufrieden, ganz im Gegenteil, brauchen immer mehr und mehr. Nach jedem kurzen Hoch kommt das Gefühl der Leere und des Leidens immer schneller zurück.

Sexsucht ist grundsätzlich nichts Neues, betrifft Männer ca. fünf Mal häufiger als Frauen und hat jedoch eine völlig andere Dimension durch die Verbreitung bzw. den Konsum von Internetpornographie bekommen. Was noch vor 20 Jahren mit einer relativ aufwendigen Beschaffung in Videoverleihen, mit Ausweisung der Volljährigkeit, begrenztem Zugang zu gewaltaffiner Pornographie und vor allem mit erheblichen Kosten verbunden war, ist heute kostenlos, für jede Altersgruppe, mit nur einem Mausklick in grenzenloser Menge und Härte auf jedem PC und Smartphone verfügbar.

Sexsucht kann sich in Pornosucht äußern, manche befriedigen ihr Verlangen über Telefonsex oder über endlose Chatterei in Datingplattformen und masturbieren unzählige Male am Tag, bei jeder Gelegenheit. Oder andere haben täglich wahllose ungeschützte Sexualkontakte.

Sexsucht ist zu unterscheiden von einem starken sexuellen Verlangen, auch wenn Letzteres damit oft in einem Zug erwähnt wird. Denn der Sexsüchtige leidet erheblich, droht an seiner Sucht zugrunde zu gehen und hat jede Kontrolle über seine Sucht und sein Leben verloren. Sex hat für ihn nichts mit Freiheit, Spaß oder Partnerschaft zu tun, sondern er ist süchtig, krank und benötigt Hilfe.

Liebeskummer

Liebeskummer ist so alt wie die Liebe – also uralt. Liebeskummer kann jeden Menschen treffen, der liebt und fast alle haben es schon erlebt. Liebeskummer ist das quälende Gefühl einer nicht erfüllten Liebe. Dabei ist völlig unerheblich ob eine bestehende Liebesbeziehung verloren bzw beendet wurde oder ob eine Liebesbeziehung nie zustande kam. Außerdem ist die Dauer der Bindung für die Tiefe des entstandenen Schmerzes unerheblich. Liebeskummer überschreitet wie die Liebe alle Grenzen der Berechenbarkeit.

Liebeskummer kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich erlebt werden. Bei Liebeskummer ist alles möglich, Seele und Körper spielen verrückt: Kopf- bzw. Bauchschmerzen, Schlafstörungen, innere Unruhe, gestörtes Essverhalten (Appetitlosigkeit oder Esssucht), Traurigkeit, Gefühl von Einsamkeit, Eifersucht, Gereiztheit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, Aggressivität, Hass, Depression, übermäßiger Alkohol- oder Nikotinkonsum, Zukunftsängste bis hin zu Selbstmordgedanken. All das kann die Betroffenen in unterschiedlicher Ausprägung und Dauer quälen.

Liebeskummer geht meist von alleine weg, manchmal dauert es jedoch Wochen oder Monate. Freunde und Familie können sehr hilfreich bei der Bewältigung sein. Manchmal jedoch sind die Betroffenen allein und überfordert mit ihrem Kummer. Dies kann z. B. sein, wenn die Betroffenen auf wenig Verständnis in ihrem Umfeld stoßen oder auch wenn die unerfüllte Liebe heimlich gelebt wurde. Manchmal kann der Liebeskummer so quälend sein, dass die Betroffenen aus ihrem Gefühlschaos nicht alleine herauskommen. War es meine Schuld? Was wäre anders gelaufen, wenn…? Hätte ich es zum Zeitpunkt X noch anders beeinflussen können? Was kann ich in Zukunft anders machen? Wie kann ich mich neu orientieren? Wie kann ich meine Ängste überwinden? Werde ich noch mal lieben können? Diese und viele andere Fragen verselbständigen sich im Gedankenkarussell und sich und werfen immer neue Fragen auf.

Bei der Überwindung von Liebeskummer geht es vor allem um eins: ums Loslassen. Um das schmerzvolle Loslassen von Altem und die Neuorientierung im Hier und Jetzt.

Sexualität nach einem Trauma (z.B. Missbrauch, weibliche Beschneidung) oder nach schwerer Krankheit

Es gibt Veränderungen im Leben, die tiefe Spuren hinterlassen können. Traumata können die Seele tief erschüttern. Sexueller Missbrauch, Krieg, Folter, ein schwerer Unfall oder der frühe Verlust von Bindungspersonen sind nur einige von vielen Traumata, die Menschen erleben und lebenslang belasten können.

Schwere Krankheiten und Unfälle können den Körper für immer zeichnen. Schlaganfälle können mit Lähmungen einhergehen. Der Umgang mit dem eigenen Körper und damit auch das Erleben der Sexualität kann sich dadurch sehr verändern.
Schwere Krankheiten können mit Nebenwirkungen von Medikamenten verbunden sein, die das Körperbild verändern wie z. B. starke Gewichtszunahme, Hautveränderungen oder Haarverlust. Viele Medikamente wie Antihypertensiva, Antidepressiva, Neuroleptika beeinflussen negativ die Erektionsfähigkeit und Libido.
Größere Bauchoperationen können den Körper nicht nur äußerlich zeichnen, sondern sind oft mit einem Sensibilitätsverlust im Operationsgebiet verbunden. Dies kann z.B nach Blasenkrebs oder Prostatakrebs langfristige Folgen für die Erektionsfähigkeit haben. Auch Bestrahlungen nach Krebsoperationen können sich negativ auf die Sensibilität auswirken.
Genauso wie Männer durch Operationen wie z. B. bei Prostata- oder Blasenkrebs in ihrem Mann-Sein verletzt sein können, so sind Frauen durch Brustkrebsoperationen in ihrem Frau-Sein oft verletzt. Die weibliche Brust ist ein wichtiger Teil der Weiblichkeit und die Operation bzw. Entfernung einer oder beider Brüste trifft viele Frauen darum empfindlich. Auch die Entfernung der Eierstöcke kann Frauen in ihrem Körperbild tief verletzen, auch wenn dies von außen nicht sichtbar ist.

Die genitale Verstümmelung von Frauen (weibliche Genitalbeschneidung), von der weltweit ca. leider 100-140 Millionen Frauen betroffen sind und die in Afrika jährlich an ca. 3 Millionen Mädchen durchgeführt wird, hat verheerende seelische und körperliche Folgen. Die genitale Verstümmelung der Mädchen wird meist ohne Betäubung/Narkose und demnach unter grausamen Schmerzen vorgenommen. Dabei werden vollständig oder teilweise die Klitoris, die inneren bzw. äußeren Schamlippen entfernt und die Scheide ggf bis auf eine winzige Öffnung verschlossen. In Abwesenheit von adäquater medizinischer Versorgung drohen schwere Infektionen, Blutungen oder das Risiko daran zu versterben. Neben dem psychischen Trauma kommen die teilweise gravierenden körperlichen Folgen der Verstümmelung der äußeren Genitales in unterschiedlichem Ausprägungsgrad hinzu: Blasenentleerungsstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Komplikationen bei Geburten, Sensibilitätsverlust mit Einschränkung oder Fehlen des sexuellen Empfindens und der Orgasmusfähigkeit u.v.m.

Absolute Beginner – erwachsen und unerfahren

Als Absolute Beginners (ABs) bezeichnet man erwachsene Frauen und Männer ohne oder mit nur sehr geringer sexueller Erfahrung – und zwar unfreiwillig. Dadurch unterscheiden sich Absoute Beginners von Menschen, die sich aus Glaubensgründen oder anderen Gründen bewusst für eine gewisse Zeit (oder lebenslang wie beim Zölibat) gegen eine sexuelle Beziehung entscheiden. Zur Unfreiwilligkeit der Absolute Beginners kommt die Tatsache, dass die Betroffenen unter ihrem Zustand leiden. Sie schämen sich für ihre Unerfahrenheit, verheimlichen dies über einen langen Zeitraum und der Abstand zu den Beziehungserfahrungen Gleichaltriger wird immer größer. Die Altersgrenze zur Bezeichnung als Absolute Beginner wird in den Foren der Betroffenen bei ca. zwanzig Jahren festgelegt. Als mögliche Ursachen für die Beziehungslosigkeit kommen in Betracht:

  • Schüchternheit
  • Minderwertigkeitsgefühl
  • Fehlende soziale Kontakte
  • Zu hohe Ansprüche
  • Problematische Einstellung zu Körperlichkeit und Liebesbeziehungen
  • Depression, soziale Phobie, Bindungsangst
  • Fehlende Zärtlichkeiten bzw Identifikationsfigur in der Kindheit
  • Einschneidende Erlebnisse wie schwere Krankeit oder Trauma

Es gibt nicht den einen richtigen Lösungsweg, es gibt einige Ansätze und Hilfen und sie sind individuell sehr unterschiedlich. Hierzu zählen u.a.: Vernetzung mit anderen Absolute Beginners im Internet (Foren, Communities), Stil- bzw. Modeberatung, Neuorientierung bez. Hobbies, Reisen, Vertiefung der Sozialkontakte, Körperarbeit, Arbeit am Selbstbild, uvm.

Unsicherheit bezüglich Homo-, Bi- und Asexualität

Homo- und Bisexualität sind hierzulande glücklicherweise kein Skandal mehr und Schwule, Lesben und Bisexuelle können ihre Orientierung offen leben. Der Gesetzgeber hat für gleichgeschlechtliche Partnerschaften inzwischen eine Gleichstellung geschaffen, zuletzt mit der Ehe für alle. Doch soweit die rechtlichen Vorraussetzungen auch sind, gesellschaftliche Akzeptanz und wirkliche Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlicher Liebe herrscht noch lange nicht!

Bevor Homo- bzw. Bisexualität gelebt, gesprochen und geoutet wird, wird sie zunächst einmal gefühlt – und das oft lange und heimlich. Das Hingezogensein zum gleichen Geschlecht kann sich unterschiedlich stark anfühlen. Manche fühlen sich von Beginn der Pubertät eindeutig „anders“ orientiert als ihre Altersgenossen. Andere leben viele Jahre in einer heterosexuellen Partnerschaft und spüren ihre Neigung immer wieder und immer öfter.

Fragen zur eigenen sexuellen Orientierung stellen sich alle Menschen, egal ob hetero-, bi- oder homosexuell. Es sind grundsätzliche Fragen wie: „bin ich richtig so wie ich bin?“ „darf ich fühlen wie ich fühle?“. In einer vorwiegend heterosexuell geprägten Gesellschaft gibt es für diese Fragen viele heterosexuelle Antworten. Menschen mit homo-/bisexueller Neigung finden oftmals nicht die entsprechenden Antworten bzw. Bestätigungen und fürchten Vorurteile und Ausgrenzung. Denn leider sind Diskriminierung, Mobbing oder Gewalt gegen Homo- und Bisexuelle allgegenwärtig. Diese Angst vor Ausgrenzung und das Verheimlichen oder Verdrängen der eigenen Gefühle kann sich quälend und belastend anfühlen.

Das Annehmen der eigenen Neigung ist oft ein langer Prozess. Scham spielt dabei eine große Rolle, eigene gelernte Geschlechterrollen geraten ins Wanken. Nicht selten empfinden die Betroffenen diesen Prozess als tiefe Sinnkrise, unabhängig vom Alter. Ein wirkliches Annehmen der eigenen Neigung, also ein „Ja“ zum Ich, ist am Ende dieses Prozesses oft eine große Erleichterung.

Dieses „innere“ Coming-Out geht dem „äußeren“ Coming-Out Jahre oder manchmal Jahrzehnte voraus. Die Angst vor Ausgrenzung ist groß. Wie reagieren die Eltern, die Kollegen, der Freundeskreis, der/die Partner/-in und gar die eigenen Kinder? Sich auch nach außen zu seiner sexuellen Orientierung zu bekennen kann sich anfühlen wie ein Erdrutsch…es ist plötzlich nichts mehr da wo es war und muss alles neu und mühsam sortiert werden.

Asexualität

Über Asexualität wird wenig gesprochen und doch gibt es sie. Asexualität ist keine Krankheit oder Störung. Asexualität ist eine sexuelle Orientierung – wie Homo- und Bisexualität.
Asexualität beschreibt die Abwesenheit von sexueller Anziehung zu anderen Menschen, und zwar nicht als Teil einer Lebensphase, sondern als etwas Dauerhaftes und Grundlegendes. Hinzu kommt, dass Asexualität keine freie Entscheidung ist, etwa wie beim Zölibat, sondern als etwas Grundlegendes und Feststehendes empfunden wird.

Asexualität kann unterschiedliche Ausprägungen haben und eine einheitliche Definition gibt es nicht. Asexuelle Menschen können eine feste emotionale Verbindung zu einem Partner haben ohne sexuelle Anziehung zu verspüren. Obwohl es wiedersprüchlich klingt, können asexuelle Menschen auch Sexualität leben, z.B. weil sie dem Partner/der Partnerin einen Gefallen tun wollen und Konflikte in der Partnerschaft vermeiden wollen. Andere Asexuelle wiederum empfinden keine emotionale Anziehung zu anderen Menschen und legen auch keinen Wert auf eine Partnerschaft, sondern sie pflegen enge Freundschaften und sind sozial sehr aktiv. Asexuelle Menschen können (müssen aber nicht) Erregung bzw. Lust auf den eigenen Körper empfinden. Selbstbefriedigung ist kein Ausschluss- oder Einschlusskriterium für Asexualität.
Asexuell ist im Gegenzug nicht jemand, der Ekel oder Abneigung gegen Sex empfindet oder bei dem das fehlende sexuelle Verlangen die Folge eines Traumas, einer Krankheit oder einer bestimmten Lebensphase ist.

Asexuelle Mensche empfinden ihre fehlende sexuelle Anziehung zu anderen als eigentlich unproblematisch, sie leiden nicht, denn ihnen fehlt nichts. In einer bestehenden Partnerschaft kann dies jedoch zu Konflikten und einer großen Herausforderung führen, wenn der Partner/die Partnerin Sexualität als dauerhaft wichtiger empfindet. Allerdings können asexuelle Menschen auch ohne Partnerschaft durch Freunde, Familie oder gesellschaftliche Erwartungshaltung so unter Druck geraten, dass als Folge daraus ein Leidensdruck entsteht und sie sich unter Zugzwang fühlen.

Im Grunde genommen ist asexuell jemand, der sich selbst dauerhaft so fühlt und so sieht.

Sehe ich normal aus?      Vulva-Galerie

Eine immer häufiger gestellte Frage von Frauen im gynäkologischen Alltag und in Sexualberatungen ist: sehe ich normal aus? Gemeint ist dabei: sieht mein Intimbereich normal aus?

Bei Frauen und Mädchen herrscht oft große Unsicherheit über das Aussehen ihrer Vulva und über die Veränderungen durch Pubertät oder Schwangerschaften. Sie sind der Meinung, bei einer „normalen“ Vulva seien die inneren Schamlippen nicht oder nur minimal zu sehen. Außerdem finden sie die manchmal dunklere Pigmentierung der inneren Schamlippen unnormal und insgesamt sei das alles viel „zu runzlig, zu dick, zu dunkel oder zu groß“.

Dies ist in der Tat das heutzutage durch die Medien transportierte Schönheitsideal für den Intimbereich. Das Schönheitsideal orientiert sich an Vulven von Mädchen vor der Pubertät, ohne den leisesten Anflug von hormonell bedingten Veränderungen. In Pornos findet man meist glattrasierte, operierte, gebleichte und aufgespritzte Vulven, quasi nach einem Rundum-Tuning mit einem sogenannten „clean slit“ (dt: makelloser Schlitz). In Zeitschriften werden nicht nur Gesicht und Körperformen, sondern auch der Intimbereich durch Photoshop und co zugunsten des „Ideals“ sehr verändert dargestellt – leider. Was dabei leider auf der Strecke bleibt ist Vielfalt und Einzigartigkeit. Was es im Gegenzug erzeugt ist Scham, Unsicherheit, ein schlechtes Selbstbild und das Gefühl, so nicht in Ordnung zu sein.

Die nachfolgende Vulva-Galerie soll Frauen einen Einblick in ihre ganze Vielfalt, Schönheit und Einzigartigkeit geben. Aus den Bildern wird deutlich: es gibt keine „normale“ Vulva, keine gleicht der anderen. Jede ist auf ihre Art und Weise besonders und genau richtig.

Vulva-Galerie

Die Fotos sind mit freundlicher Unterstützung von Nick Karras (USA, www.nickkarras.com, © 2017) veröffentlicht. Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt.

… und nicht jedes Problem ist ein Problem …

In einer völlig übersexualisierten Gesellschaft entsteht manchmal der Eindruck, dass Sexualität auf eine bestimmte Art und Weise erlebt werden muss. Durch einseitige Berichterstattung in den Medien fühlen sich Menschen oft geradezu unter Druck gesetzt, allzeit bereit, sexy, neugierig und experimentierfreudig zu sein, quasi Sex als Spaßpflicht. Dies spiegelt weder die Sexualität der meisten Menschen wieder, noch berücksichtigt es die Tatsache, dass Sexualität nur einer von vielen Aspekten im Leben ist.

Natürlich ist Sexualität, wie viele andere Dinge auch, mal schön, mal langweilig, mal interessant, mal frustrierend, mal ekstatisch, mal peinlich oder auch einfach lustig. Es gibt überhaupt keine Norm, wie eine erfüllende, befriedigende Sexualität aussehen und gelebt werden muss. Niemand muss den ganzen Katalog von sexuellen Praktiken durcharbeiten um glücklich Sex zu haben. Viele Paare sind mit ihrer Sexualität zufrieden ohne ständig andere Dinge auszuprobieren oder ihre aktuelle Sexualiät in Frage zu stellen. Auch über die Häufigkeit von Sex gibt es keine Norm. Für das eine Paar kann das mehrmals pro Woche, für ein anderes Paar mehrmals im Jahr sein. Abgesehen davon gibt es auch Paare, die eine völlig asexuelle (und glückliche) Partnerschaft leben.

Entscheidend für die Frage ob ein Problem ein Problem ist, ist die Tatsache, ob Sie ganz persönlich einen Leidensdruck und den Wunsch nach Veränderung dabei empfinden.

Einzel- oder Paargespräche

 

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